PRESSE

"Nichts ist mehr so, wie es war"
Der Standard, 5.1.05 [>pdf, 52K]

Bericht vom Pressegespräch am 1.9.2004
Am 1.9.04 fand ein Pressegespräch statt, zu dem neben Journalisten auch Vertreter von Einrichtungen, welche mit traumatisierten Menschen zu tun haben, eingeladen wurden.
Das Gespräch fand in einer interessierten und konstruktiven Atmosphäre statt.

Nach einer Präsentation von ÖNT durch Dr. Sylvia Wintersperger gab es Statements der eingeladenen Gesprächspartner, anschließend allgemeine Diskussion und Ausklang am Buffet.

Frau Mag. Renate Egger von den Beratungsstellen der Österreichischen Frauenhäuser war persönlich verhindert, sandte aber ein schriftliches Statement als Vertreterin der Frauenhäuser. >> siehe Statement

Frau Dr. Maria Rösslhumer als Geschäftsführerin des Vereins Österreichische Frauenhäuser und Vertreterin der Plattform gegen Gewalt in der Familie unterstrich nochmals die Inhalte dieses frauenspezifischen Statements. Sie betonte ihre bisherigen guten Erfahrungen mit Netzwerkarbeit. Vor allem berufsgruppenübergreifende Kooperationen hätten sich bisher gut bewährt, um breite Informations- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Ein Netzwerk von Traumatherapeuten sei hier nur zu begrüßen. Es wurde der Wunsch geäußert, dass eine Plattform Traumatherapie mit regelmäßigen Arbeits- und Kontaktgesprächen entstehen könnte, um berufsgruppenübergreifend (Beratungsstellen, Polizei, Interventionsstelle gegen Gewalt, Frauenschutzeinrichtungen, Krisenzentren, Notfallpsychologische- und Akutbetreuungsdienste, Kinderschutzzentren u.a.) an Vorbeugung, Aufklärung und Versorgung im Bereich Gewalt in der Familie zu arbeiten.

Frau Dr. Brigitte Lueger-Schuster, fachliche Leitung der Akutbetreuung Wien, betonte, wie sehr sich immer noch zeigt, dass Traumatisierungsfolgen auch von Fachleuten nicht erkannt werden. Der Traumakongress in Wien vom 3. bis 5.9.2004 der DeGPT –Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie soll die Öffentlichkeit und Kollegenschaft für die Thematik sensibilisieren. Eindeutig bestehe großer Bedarf an qualifizierten, traumatherapeutisch ausgebildeten Psychotherapeuten. Die Erfahrungen aus der Akutbetreuung zeige, dass auch bei bester Akutversorgung nach traumatisierenden Ereignissen wie Großschadensereignissen, es immer Betroffenen gibt, die mehr brauchen. Hier anschließen zu können und ein solches Netzwerk von Traumatherapeuten zu haben, ist ein großer Fortschritt in der Umsetzung der Erkenntnisse in der Psychotraumatologie. Traumatherapie sollte jedoch („muss“) erreichbar sein, auch für sozial schwache Menschen.

Frau Ina Manfredini, Mitarbeiterin von „hemayat- Beratungsstelle für Folter- und Kriegsüberlebende“, - und als Direktorin der Lehranstalt für systemische Familientherapie auch Gastgeberin des Pressegespräches - ging in ihrem Statement auf die besondere Situation von Flüchtlingen ein. Ca. 35% aller Flüchtlinge seien schwer traumatisiert. Diese Gruppe sei zumeist überhaupt nicht in der Lage, sich selbst Hilfe zu holen. Die Beratungsstelle hemayat habe derzeit 100 Personen auf der Warteliste und kämpfe ständig um Finanzierung. Auch von ihr wurde betont, wie wichtig ein Netzwerk von Traumatherapeuten sei, jedoch sei im Falle der Kriegsflüchtlinge ganz besonders die Forderung nach „Erreichbarkeit“ (=Finanzierung) zu stellen.

Frau Mag. Eva Münker-Kramer, fachliche Leiterin des psychosozialen Akutteams Niederösterreich betonte ebenfalls die Notwendigkeit, auch nach der Akutbetreuung für diejenigen Klienten, die mehr brauchten, ein qualifiziertes Angebot an Therapeuten zu haben. Die Zusammenarbeit an den Schnittstellen Akutbetreuung / Therapie könne durch ein Netzwerk sicher optimiert werden. Wichtig sei hier auch für die Akutbetreuer, die entsprechende Indikation für „mehr“ zu stellen. Wieder wird die Notwendigkeit betont, dass Traumatherapie auch finanziell leicht erreichbar sein sollte. (als Kassenleistung ohne Selbstbehalt für die Betroffenen).

Frau Sylvia Neuberger und Herr Dr. German Müller von der Bundesstelle für Sektenfragen des Innenministeriums berichteten von Ihren Erfahrungen, dass seit der Gründung der Beratungsstelle zunehmend Anfragen und Wünsche nach Beratung und Therapie seitens jener Personengruppe komme, die durch Ihren Erfahrungen traumatisiert wurden. Und es gebe auch zunehmend Anfragen von Therapeuten und Betreuern wegen traumaspezifischer Therapie für ihre Klienten. Ein Netzwerk, in welchem qualifizierte Therapeuten zu finden sind, ist hier ein Fortschritt.

Ulrike Russinger, Mitglied von ÖNT und Lehrtherapeutin für systemische Familientherapie plädierte dafür, Grundlagen der Psychotraumatologie und traumaspezifische Aspekte der Therapie als fixen Baustein in die Psychotherapieausbildung zu integrieren. In ihrer Ausbildungstätigkeit wird das bereits angeboten.

In der Diskussion wurde wiederholt überlegt, ob es zu arrangieren wäre, die Internetplattform zu ergänzen durch eine konkretere Vernetzungsaktivität von beteiligten Berufsgruppen. Angedacht wurden:

  • Eine Trauma-Enquete für beteiligte Berufsgruppen, (im nächsten Jahr?) und
  • die Installierung regionalen Arbeitskreise im Bereich Wien.

Zwei schriftliche Statements von verhinderten Teilnehmern
>> Statement von Frau Mag. Renate Egger [pdf, 75 KB]
>> Statement von Dr. Claudius Stein [pdf, 63 KB]

 

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