INFORMATIONEN FÜR BETROFFENE

Definition des posttraumatischen Belastungssyndromes
Die psychischen Auswirkungen
Typische Symptome
Reizüberflutung
Woran erkennt man eine gute Traumatherapeutin?

Definition

Das Wort "Trauma" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Verletzung". Ein psychisches Trauma ist eine seelische Verletzung, die durch (eine) Erfahrung(en) entsteht, die in einem Maße einschneidend sind, dass sie ohne Unterstützung von außen nicht verarbeitet werden können. 

Es entstehen körperliche und seelische Beschwerden, sogenannte Belastungsstörungen (z.B. psychoreaktive Depression, Anpassungsstörung, Posttraumatisches Belastungssyndrom). Diese Reaktionen sind  normale Reaktionen auf einen extremen, nicht mehr integrierbaren Stress, jedoch ein Versuch des Körpers und der Seele, das Gleichgewicht wieder herzustellen.
 
   
Die psychischen Auswirkungen
Es gibt Ereignisse, die belasten und es bedarf einer geraumen Zeit, sie zu verarbeiten. Es gibt jedoch Erlebnisse, die sich unwiderruflich ins Gehirn einprägen. Der plötzliche Verlust eines nahen Menschen, körperliche und seelische Gewalt, Unfälle, Naturkatastrophen, gesundheitliche Schockerlebnisse (z.B. Diagnose Krebs), Folter und Krieg sind extreme Ereignisse, die nahezu jeden in eine tiefe Verzweiflung stürzen können, den Menschen sprachlos und hilflos machen.  Die psychische Verarbeitung eines Traumas verläuft in drei Phasen: die Schockreaktion, die Einwirkphase und die Erholungsphase. Die Schockphase kann sehr kurz sein, jedoch auch etliche Tage dauern. Gefühle wie z.B. traurig sein, wütend sein, sich betäubt erleben, sich nicht mehr konzentrieren können, begleiten diese Phase.  In der Einwirkphase haben viele Menschen das Gefühl, ständig in Gefahr zu sein und die Angst, es könnte sich wiederholen. Immer wieder drängen Bilder des Erlebten (Flashbacks) unkontrollierbar ins Bewusstsein und verhindern die Wahrnehmung der Realität.  
   
Typische Symptome

Die dritte Phase der psychischen Verarbeitung, die Erholphase, tritt nicht bei jedem Menschen ein. Halten die Beschwerden länger als einen Monat an, wird von einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“ (PTBS) gesprochen. Betroffene, die ein einschneidendes oder lebensbedrohliches Trauma erlebt haben, leiden dann über längere Zeit an den typischen Symptomen: heftige Erinnerungsschübe, gesteigerte Angst, Vermeidung von Situationen oder Gedanken, die an das Trauma erinnern und einer Überregung der Sinne und des Körpers.

Diese eindringlichen Erinnerungen (Intrusionen)  treten in Form von Bildern, Tag- und Nachtträumen (Alpträumen), Gedanken oder heftigen Gefühlen an das Ereignis auf. Sie drängen sich förmlich auf, ohne dass der Traumatisierte sie kontrollieren kann und können die aktuelle Wahrnehmung überlagern.  Dazu gehören Flashbacks, Nachhall-Erinnerungen, die das längst Vergangene erneut lebendig und bedrohlich werden lassen. Das Trauma wirkt sich auch auf das Verhalten aus.  Alles, was an das Trauma erinnert, wird vermieden (Konstriktionen). Nicht nur Gefühle wie Angst und Hilflosigkeit sind übergroß, auch körperliche Reaktionen treten auf, z.B. Herzrasen, Magen-Darm-Probleme, Schlafstörungen etc. Die meisten Betroffenen  sind z.B. unkonzentriert, depressiv und auch anfällig für Alkohol oder Drogen.
 
   
Reizüberflutung
Körper und Seele sind während des Traumas einer Flut von Reizen ausgesetzt, die die Wahrnehmung verändert. Beispielsweise wird das Ereignis wie in Zeitlupe oder in rasender Geschwindigkeit erlebt und später in gleicher Weise erinnert. Körper und Seele eines/r Betroffenen können nicht zur Ruhe kommen, da die Sinneseindrücke so intensiv und belastend sind, dass das Gehirn sie nicht mehr verarbeiten kann. Bilder, Gerüche, Töne etc. bleiben als Fragmente  im Bewusstsein vorhanden und lösen immer wieder panische Reaktionen aus. Die psychische Bearbeitung der schrecklichen Eindrücke bleibt sozusagen im Arbeitsspeicher (Endlos-Schleife) hängen, die Eindrücke gelangen nicht in das Archiv des Gehirns, wo sie in die bisherigen Erfahrungen und in das persönliche Weltbild integriert werden.

Typisch für eine posttraumatische Belastungsstörung ist, dass die Gefühle auch nach einiger Zeit unverändert stark wiederkehren, so als würde der Betroffene das Ereignis genauso wieder erleben wie damals. Die Vergangenheit wird immer und immer wieder als gegenwärtig erlebt – ein Teufelskreis.  Ein besonderer Aspekt einer posttraumatischen Belastungsstörung ist außerdem die Tatsache, dass das traumatische Ereignis nicht in seinem vollen Ablauf wiedergegeben werden kann, sondern als Bruchstücke von Gefühlen und Wahrnehmungen. Im Extremfall kommt es auch zu Gedächtnisverlusten.
 
   
Erkennen einer guten Traumatherapeutin?
Sollten Sie ein betroffener Mensch sein und sich für eine Psychotherapie entschieden haben oder noch im Entscheidungsprozess stehen, kann Ihnen der folgende Text möglicherweise bei der Suche helfen.

Der Text (S 116f.) stammt aus dem Buch von Dr. Luise Reddemann und Dr. Cornelia Dehner-Rau.
Es heißt: Trauma: Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen. Erschienen ist das Buch im Trias Verlag im Jahr 2004.

"Woran erkennt man eine gute Traumatherapeutin?"
Achten Sie in den ersten fünf 'Probeterminen', den so genannten probatorischen Sitzungen, darauf, ob Sie sich angenommen und wohl fühlen. Die Therapeutin hat die Möglichkeit, sich ein Bild von der vorhandenen Störung zu machen. Stimmt die 'Chemie' zwischen Patientin und Psychotherapeutin, kann ein gemeinsames Arbeitsbündnis mit der Festlegung realistischer Therapieziele geschlossen werden................

Sie selbst können sich nach den ersten Probesitzungen folgende Fragen stellen:

  • Fühle ich mich angenommen und ernst genommen?
  • Traue ich mich zu fragen und bekomme ich befriedigende Antworten?
  • Gibt mir die Therapeutin ein Gefühl von Sicherheit?
  • Fühle ich mich nach den ersten Gesprächen zuversichtlicher?
  • Konnte ich mich mit der Therapeutin auf klare Therapieziele einigen?
  • Habe ich die Vorgehensweise der geplanten Therapie verstanden?

Wenn Sie diese Fragen bejahen können, kann sich eine tragfähige therapeutische Beziehung entwickeln.

Die Therapeutin können Sie fragen:

  • Haben Sie Erfahrung mit traumatisierten Patientinnen?
  • Welchen Eindruck haben Sie von mir?
  • Können Sie sich vorstellen, mit mir zusammenarbeiten?

Eine gute Therapeutin wird offen auf Ihre Fragen eingehen und auch Ihre Grenzen aufzeigen.

In Österreich wird Psychotherapie durch ein Bundesgesetz, dem sogenannte "Psychotherapiegesetz" geregelt. Ausgebildet werden Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen an anerkannten Institutionen. Für die Bezeichnung "Traumatherapie" gibt es kein vergleichbares Gesetz oder Richtlinie. Es bedeutet daher, dass nicht jeder Psychotherapeut oder jede Psychotherapeutin für Traumatherapie ausgebildet ist. Diese Zusatzqualifikation wird im Rahmen von eigenen Weiter- und Fortbildungen erworben.